Geschichte
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Im Zuge der Rückeroberung der von den Mauren besetzten Iberischen
Halbinsel wurde Portugal 1143 von Spanien als Königreich anerkannt.
1147 wurde auch Lissabon zurückerobert und 1267 das Königreich
nahezu in seinen heutigen Grenzen festgelegt. Portugal war
wesentlich früher als Spanien ein einheitlicher Staat. Unter
Prinz Heinrich dem Seefahrer (1394 - 1460) befuhren und erforschten
portugiesische Seeleute als erste Europäer die Weltmeere.
Heinrich entdeckte und besiedelte die Azoren und Madeira,
Bartholomeus Dias erschloss die Westküste Afrikas und kam
bis zum Kap der Guten Hoffnung. Vasco dassGama umschiffte
das Kap und stieß in den Indischen Ozean vor. Auch der erste
Weltumsegler Magellan war Portugiese, allerdings in spanischen
Diensten. Im spanischen Tordesillas fand 1494 ein denkwürdiges
Ereignis statt: der Papst teilte Amerika zwischen Portugal
und Spanien auf. So wurde Brasilien portugiesische Kolonie
(und ist heute das größte Land in der Welt und das einzige
auf dem südamerikanischen Kontinent, in dem Portugiesisch
gesprochen wird).
Der Aufstieg der Niederlande und Großbritanniens zur Seemacht
im 16. und 17. Jahrhundert bedeutete für Portugal den Niedergang.
Das Land rückte in die zweite Reihe. Der Dichter Luis de Camoes
schrieb zwar seine "Luisiaden" und beschwor die Größe und
Einheit Portugals, aber das Königshaus zeigte Schwächen, sodass
es den in Spanien regierenden Habsburgern durch geschickte
Politik gelang, von 1580 bis 1640 in Personalunion auch die
portugiesische Krone zu tragen. Es war zwar nur eine kurze
Zeit, aber sie hinterließ Spuren. 1661 Pakt und zunehmende
Unabhängigkeit von England, das 1663 die portugiesischen Kolonien
in Ostasien übernahm. Dem portugiesischem Königshaus gelang
es nie mehr, zur alten Stärke zurückzukehren. Im Gegenteil,
eine Reihe dynastischer Kriege im 19. Jahrhundert schwächte
die Krone weiter. 1822 erklärte Brasilien seine Unabhängigkeit
vom Mutterlande. Portugal schaffte im 20. Jahrhundert als
erstes europäisches Land die Monarchie 1911 ab und führte
die Republik ein. Es folgten 15 überaus instabile Jahre, in
denen das Land 8 Präsidenten und 44 Regierungen verschliss
und kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch stand. Schließlich
putschte das Militär und bestellte 1928 den Wirtschaftsprofessor
Antonio Salazar zum Finanzminister mit uneingeschränkten Vollmachten.
1932 wurde Salazar Ministerpräsident. Sein oberstes Prinzip
war Ordnung und Gesetz und so regierte er auch. 1933 wurde
Portugal nach faschistischem Vorbild umgebaut. Es wurde wieder
ruhig im Lande - zu ruhig. Obwohl offiziell neutral, unterstützte
Portugal von 1936 bis 1939 Franco im Spanischen Bürgerkrieg.
Der Widerstand ging in den Untergrund oder ins Ausland. Salazar
machte zwar den Escudo zu einer der härtesten Währungen Europas,
aber gegen die Armut im Lande tat er nichts, vor allem die
ländliche Bevölkerung verelendete zusehends. Den Zweiten Weltkrieg
überstand Portugal unbeschadet als neutraler Staat. Das Land
war 1949 Gründungsmitglied der NATO und trat 1955 den Vereinten
Nationen bei (eine frühere Mitgliedschaft war durch ein Veto
der Sowjetunion verhindert worden). Zu Beginn der 60er-Jahre
brachen in vielen Kolonien Revolten und Unabhängigkeitsbestrebungen
aus. Das überforderte Portugals finanzielle und militärische
MitTel.: Viele Kolonien gewannen ihre Unabhängigkeit. Gezeichnet
von schwerer Krankheit trat Salazar 1968 zurück. Sein Nachfolger
wurde Marcelo Caetano. Die Zeit war reif für einen Wandel,
das zeigte auch die Entwicklung in Spanien. Die "Nelkenrevolution"
1974 verlief unblutig. General Antonio de Spinola, einst Kriegsheld
im Kampf gegen die Guerillas in den portugiesischen Kolonien,
dann Verfechter von Selbständigkeit für die Kolonien, übernahm
die Staatsgeschäfte.
Doch das Regieren war schwierig nach einer so langen Zeit
der Erstarrung in Portugal, zu viele Gruppierungen wollten
ihre Interessen durchsetzen. Portugal stand am Rande des Bürgerkrieges.
Zwischen 1974 und 1987 bedurfte es 14 Regierungen, um die
großen Grundbesitzer zu enteignen, das Land unter das Volk
aufzuteilen, Banken, Versicherungen und große Industriebetriebe
zu verstaatlichen. Hinzu kam der Ölschock durch die Preispolitik
der OPEC. Außerdem musste das Land auch noch eine Million
Einwanderer verkraften, die aus den Kolonien ins Mutterland
zurückströmten. Portugal galt als Armenhaus Europas. Der Wandel
kam mit dem Beitritt zur Europäischen Union 1986. Geld floss
ins Land, der Aufschwung begann. Viele Änderungen der Revolutionszeit
wurden rückgängig gemacht, die landwirtschaftlichen Kollektive
wieder aufgelöst, die Ölgesellschaft Petrogal und viele andere
Unternehmen reprivatisiert. Freies Unternehmertum konnte sich
wieder entfalten. Längst ist Portugal nicht mehr das ärmste
Land Europas. Parallel zur wirtschaftlichen stabilisierte
sich auch die politische Lage: Bei den Wahlen von 1987 gewannen
die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit, die bereits ab
1985 allein regiert hatten.
Bei der Präsidentschaftswahl von 1996 wurde mit Jorge Sampaio
ein Sozialist Staatsoberhaupt. Bei den Parlamentswahlen in
Portugal am 10. 10. 1999 errangen die regierenden Sozialisten
von Ministerpräsident Antonio Guterres (50) am Sonntag einen
klaren Wahlsieg. Die Sozialisten (PS) erhielten Hochrechnungen
zufolge knapp 44 % der Stimmen, verfehlten aber mit 113 Sitzen
die absolute Mehrheit (116 Mandate). Die konservativen Sozialdemokraten
(PSD) erreichten 32,3 % der Stimmen und 83 Sitze, die Kommunistische
Partei 17 Sitze. Im Parlament sind auch zwei kleinere Parteien
vertreten. Der Wahlerfolg der Sozialisten wurde auf deren
erfolgreiche Wirtschaftspolitik zurückgeführt. Ein hohes Wirtschaftswachstum
(1998: +4,2 %) und eine von der Regierung initiierte effizientere
Finanzverwaltung konsolidierten den portugiesischen Staatshaushalt.
Die Arbeitslosenrate lag 1998 mit 5,1 % weit unter dem EU-Durchschnitt
(rund 10 %). Als Reaktion auf die Niederlage seiner sozialistischen
Partei bei den Kommunalwahlen am 16. 12. 2001 hat der portugiesische
Ministerpräsident Antonio Guterres am Montag seinen Rücktritt
eingereicht. Präsident Jorge Sampaio nahm das Rücktrittsgesuch
einem Sprecher zufolge an. Damit ist der Weg frei für vorgezogene
Parlamentswahlen zu Beginn des Jahres.
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