Vom Grachtenrace in Amsterdam durch die historischen Kanäle über den Internationalen Sänger-Wettstreit in Den Bosch und die königliche Kutschfahrt am Prinsjesdag in Den Haag bis zum unterirdisches Labyrinth unter dem Hochplateau Sint-Pietersbergvor den Toren der malerischen StadtMaastricht mit seinen Kulturschätzen, hat die Niederlande noch so einiges in diesem Herbst zu bieten. Aktuelles zu den Highlights in einigen niederländischen Städten haben wir hier zusammengestellt.
Grachtenrace in Amsterdam
In Amsterdam findet am Samstag, 9. Oktober, ein spektakuläres Wettrennen der besonderen Art: Teams von acht bis zwölf Ruderern jagen einander über 24 Kilometer Länge kreuz und quer durch die Innenstadt Amsterdams. Das Grachtenrace Amsterdam findet seit 1986 jährlich statt und erfreut sich seither steigender Teilnehmerzahlen. 2009 traten schon 140 Boote gegeneinander an. Wer ohne größere Havarie ins Ziel kommen möchte, der muss über eine gehörige Portion Geschick verfügen, denn schmale Brücken, Rundfahrtboote und natürlich die Konkurrenz gilt es zu umschiffen. Auch für die anfeuernden Zuschauer lohnt sich das Kommen, da man die Boote wegen des filigranen Aufbaus der Amsterdamer Grachten gut über Brücken mit dem Rad oder zu Fuß verfolgen kann. Start und Ziel der Grachtenrace ist das Oosterdok am Schifffahrtmuseum. Engagierte Ruderteams können sich noch bis einschließlich 27. September anmelden.
Der aus dem 17. Jahrhundert stammende Amsterdamer Grachtengürtel wurde am 1. August 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Die UNESCO würdigt damit das Gebiet in der Amsterdamer Innenstadt als einzigartiges Städtebauprojekt. Der Grachtengürtel ist das neunte Welterbe im Königreich der Niederlande.
Oosterdok in Amsterdam mit der Sankt Nicholas Kirche im Hintergrund
Das historische Geflecht von Kanälen wurde von der UNESCO als weltweit einzigartiges städtebauliches und architektonisches Gesamtkunstwerk anerkannt. Zudem sei es Ausdruck der ökonomischen, politischen und kulturellen Blüte Amsterdams im Goldenen Zeitalter. Die Stadt war damals das Warenhaus der Welt und das Zentrum der wissenschaftlichen und philosophischen Entwicklungen.
Vocal Competition in Den Bosch: Internationaler Sänger-Wettstreit
Der Sängerwettstreit, die International Vocal Competition (IVC), wird vom17. bis 26. September in Den Bosch (’s-Hertogenbosch) ausgetragen. Er ist seit 1954 der einzige internationale Gesangswettbewerb für klassischen Gesang in den Niederlanden. Der Wettstreit richtet sich an all jene, die eine professionelle Gesangskarriere im klassischen Bereich anstreben: Die IVC sieht sich als Fürsprecher der Vokalmusik mit großem Interesse an Nachwuchstalenten. Die Karriere junger Sänger wird insofern durch die Vocal Competition angeregt, indem der Nachwuchs von einer Jury beurteilt und in ein Netzwerk aus Konzertdirektionen, Impressarios, Medien und Casting-Direktoren eingeführt wird. Außerdem geben die Nachwuchssänger Konzerte.
Der niederländische Komponist Wilbert Bulsink hat für die 48. Ausgabe der Veranstaltung ein Stück unter dem Titel Das Narrenschiff mit einem Text des Straßburger Dichters Sebastian Brant (1457-1521) in althochdeutscher Sprache komponiert. Die Teilnehmer des Wettbewerbs sind eingeladen, ihre Interpretation des Liedes vorzutragen.
Die IVC gehört zu den renommiertesten Gesangswettbewerben der Welt und ist Mitglied der Föderation Internationaler Klassischer Musikwettbewerbe, der World Federation of International Music Competitions (WFIMC). Geleitet wird er von der Mezzosopranistin Annett Andriesen, die 1975 selber als Preisträgerin hervorging. Für den vergangenen Wettbewerb im Jahre 2008 hatten sich 175 Kandidaten aus mehr als 40 Ländern angemeldet.
In der königlichen Stadt Den Haag zeigt sich die niederländische Königin Beatrix volksnah. Am 21. September wird sie in Begleitung weiterer Royals mit der goldenen Familienkutsche durch die Straßen chauffiert. Anlass ist der sogenannte Prinsjesdag (Prinzentag), ein traditionsreiches Volksfest, das dem Auftakt zum parlamentarischen Jahr gewidmet ist. Die Kutschfahrt startet am Paleis Noordeinde im Stadtzentrum und endet am Sitz des niederländischen Parlaments, dem Binnenhof. Der Palast Noordeinde ist seit 1984 der Arbeitsplatz der Königin. Zu ihm gehören die königlichen Stallungen, die als Parkplatz der goldenen Kutsche dienen, und das Hausarchiv der Familie. Leider ist das Palais für den Publikumsverkehr nicht zugänglich, aber auch ein Spaziergang entlang des historischen Renaissance-Bauwerks ist beeindruckend. Mit ein wenig Glück kann man einen Blick auf Königin Beatrix erhaschen, wie sie in ihrem Palast arbeitet oder sie sogar beim Shoppen beobachten: Rund um das Palais finden sich einige Hoflieferanten der königlichen Familie. Das wenige Schritte entfernte Edelkaufhaus Maison de Bonneterie etwa darf das begehrte Gütesiegel tragen.
Das Tourismusbüro VVV in Den Haag bietet ein besonderes Arrangement zum Prinsjesdag an. Den ganzen Tag über haben Teilnehmer von der Tribüne aus den besten Blick auf das Geschehen, und bevor der königliche Rummel beginnt, lädt ein Stadtführer zu einem Rundgang ein. Anschließend wird Kaffee mit Gebäck gereicht, abgerundet mit einem typischen Oranjebitter, der traditionell zu Festivitäten rund um das königliche Haus getrunken wird. Das Arrangement kostet 39,50 Euro. Die Stadtführung ist auch auf Englisch und Deutsch möglich.
Unterirdisches Maastricht: Kulturschätze im Labyrinth
Das kulturelle Erbe Maastrichts umfasst weit mehr als die überirdischen Attraktionen. Mindestens ebenso viele historische Schätze befinden sich unter der Erde. Unter dem Hochplateau Sint-Pietersberg vor den Toren der malerischen Stadt in der Provinz Limburg befindet sich ein unterirdisches Labyrinth mit mehr als 20.000 Gängen, das eine jahrhundertealte Mystik verströmt. Einstmals als Rückzugsort und Schutzraum im Zweiten Weltkrieg genutzt, ist das ehemalige Mergelstein-Abbaugebiet jetzt ein Museum.
Erfahrene Stadtführer geleiten wissbegierige Laien-Höhlenforscher durch die Grotten und erzählen Geschichten über die zahlreichen Wandbilder und Schriften. Ebenso eindrücklich wie die Höhlenanordnung sind das Kuppelgewölbe, die Minengalerien und Pulverkammern im kilometerlangen Gangsystem der Verteidigungslinie Du Moulin und den Kasematten. Beim unterirdischen Kirchenweg am 9. und 10. sowie 23. und 24. Oktober werden die Besucher Zeugen verborgenen Glaubens, entdecken unterirdische Kapellen und lassen sich in die Zeit Napoleons und der französischen Revolution entführen. Besucher des Labyrinths sollten feste Schuhe anziehen und sich auf Temperaturen von ungefähr zehn Grad einstellen.
Der Oktober steht in Maastricht und Umgebung im Zeichen des Mergels. Dieses Gestein ist eine Kalk-Ton-Mischung, die unter dem Sankt Pietersberg abgebaut wurde, und als Rohstoff für die Zementherstellung dient. Das Gangsystem unter dem Berg ist ein Nebeneffekt des Abbaus. Im Oktober werden an verschiedenen Orten die unterschiedlichsten Aktivtäten im Zeichen des Mergels organisiert: Es werden Workshops zur Mergelbearbeitung angeboten, Lesungen, Ausflüge, Kunstführungen und Sonderausstellungen veranstaltet. Am Halloween-Wochenende (30. und 31. Oktober) wird ein unterirdisches Spektakel mit spannenden Geschichten und Theateraufführungen rund um das Thema Halloween inszeniert.