Walbeobachtungen in der Provinz Québec
 Majestätisch gleiten sie durch das Wasser und verzücken Schiffsreisende und Strandspaziergänger gleichermaßen durch ihre imposante Erscheinung und anmutigen Bewegungen. Wale üben eine fast schon mystische Faszination auf Tier- und Naturliebhaber aus und immer größer wird die Zahl derer, die auf Urlaubsreisen die großen Meeressäuger aus nächster Nähe erleben wollen. Das „Whale Watching“ ist zweifellos eine der Hauptattraktionen der Provinz Québec. Vor allem entlang der schönen Küstenlandschaft des Sankt-Lorenz-Stroms lassen sich die sanften Riesen in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.
Er ist ganzjährig die Heimat der seltenen Weißwale oder Belugas, die in ihrem Bestand stark gefährdet sind. Im Strom leben jedoch auch Finnwal, Schweinswal, Zwergwal, Buckelwal, Schwertwal, Langflossen-Grindwal und Blauwal.
Entlang der Côte-Nord des Sankt-Lorenz-Stroms finden Besucher hervorragende Plätze zur Walbeobachtung. Auf speziell ausgerüsteten Schiffen können Urlauber mit den Meeressäugern fast schon in Augenkontakt treten. Die Riesen sind bereits von weitem mit ihren wuchtigen, meterhohen Atemfontänen auszumachen. Mit viel Glück lassen sich die Wale auch beim Abtauchen beobachten – eine Aktion, die vor allem von Hobbyfotografen herbeigesehnt wird, denn die Wale heben in diesem Moment ein letztes Mal ihre große Schwanzflosse senkrecht aus dem Wasser. Sind die Tiere erst einmal unter der Wasseroberfläche verschwunden, heißt es geduldig sein: Wale können mühelos bis zu 90 Minuten in der Tiefe tauchen.
Tadoussac, ein alter Pelzhandelsplatz nordöstlich von Québec City, zählt zu den besten Orten für Walbeobachtung in Kanada. Der Ort liegt im Mündungsbereich zweier großer Wasserwege: Das Salzwasser des Sankt-Lorenz-Stroms vermischt sich mit dem frischen Süßwasser seines größten Nebenflusses, des Saguenay. Die Folge ist eine ungewöhnlich reiche maritime Flora, die jeden Sommer viele Wale aus dem Nordatlantik anzieht. Vor allem von Juni bis Oktober tummeln sich in der Mitte des Stroms eine Vielzahl unterschiedlichster Walarten. Am häufigsten werden die bis zu 20 Meter langen Finnwale und die etwas kleineren Minkwale gesichtet. Mit etwas Glück kann jedoch auch der riesige Blauwal erspäht werden, mit einer Länge von über 30 Metern und einem Gewicht von 140 Tonnen das größte Säugetier der Erde. Eine imposante Erscheinung sind bereits die sieben Meter langen und bis zu zwei Tonnen schweren neugeborenen Blauwale.
Wale-Watching bei Tadoussac, Quelle: Flickr, visual07
Bei Tadoussac beginnt der Provinzpark „Parc du Saguenay“, eine der schönsten Landschaften Kanadas, die sich beiderseits des Saguenay-Fjords bis zur Mündung in den Sankt-Lorenz-Strom erstreckt. Dort liegt das Dorf Bergeronnes, in dem die Wale von Land aus erspäht werden können. Bester Aussichtspunkt ist das Cap-de-Bon-Désir, eine große Ansammlung glatt geschliffener Felsen direkt am Strom. Mitunter kommen die großen Meeressäuger so nah an das Cap heran, dass Beobachter sogar ihre Atemlöcher erkennen können. Auch im Nachbarort Les Escoumins sind die Wale hervorragend von Land aus zu sehen.
Auf der anderen Seite des Sankt-Lorenz-Stroms finden Reisende auf der Gaspésie-Halbinsel – eine der fünf Regionen in Québec Maritime - eine reizvolle Landschaft mit kleinen Fischerdörfern und malerischen Buchten, die ein beliebtes Ausflugsziel der Wale sind. In Percé werden den Sommer über zahlreiche verschiedene Walarten gezählt, darunter ganze Schwärme weißer Belugas. Direkt vor der Küste von Percé liegt der „Rocher Percé“, ein 433 Meter langer und 88 Meter hoher Kalksteinfels mit einer 15 Meter hohen torartigen Öffnung. Bei Ebbe ist der Fels über eine Geröll- und Sandbank zu Fuß erreichbar.
Von dort ist es auch nicht weit zu einem anderen Naturparadies: Ausflugsboote bringen Urlauber von Percé zur Insel Bonaventure, auf der die größte Brutkolonie von Seevögeln des nordamerikanischen Kontinents lebt. In den Sommermonaten ist das Naturschutzgebiet Heimat von über 50.000 Tölpeln sowie Kormoranen und Papageientauchern. Selbst aus der Ferne betrachtet wirken die Steilufer von Bonaventure wie ein riesiger Taubenschlag, in dem ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Am äußersten Ende der Gaspésie-Halbinsel an der gewaltigen Trichter-Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms liegt der 240 Quadratkilometer große Forillion Nationalpark, in dem von Mai bis Oktober die Wale in Schwärmen um Cap Gaspé herumtauchen.
Lohnend ist für passionierte Walbeobachter auch ein Besuch im Mingan-Archipel, eine Inselgruppe im nördlichen Sankt-Lorenz-Strom. Die gutmütigen Meeresgiganten lassen sich in dem großflächigen Nationalpark, der zirka 800 Kilometer nördlich von Québec City liegt, aus nächster Nähe beobachten. Zwischen Mingan und der nahegelegenen Île Anticosti fühlen sich rund zehn verschiedene Walarten zu Hause, insbesondere Beluga-, Blau- und Buckelwale. Berühmt sind die Îles Mingan zudem für ihre spektakulären Felsformationen und zahllosen Wasservögel.
Aufgrund der vielen Wale und der exzellenten Beobachtungsmöglichkeiten entlang der Küste entstanden am Sankt-Lorenz-Strom in den vergangenen Jahren eine Vielzahl namhafter Walforschungszentren und -stationen, die zum Teil auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Ein „Muss“ für Walbeobachter ist ein Besuch im Wal-Zentrum von Tadoussac, einer hochspezialisierten Forschungsstation. Dort erhalten Besucher umfassende Informationen zum Artenvorkommen der Wale in Québec, die mit einer Vielzahl interessanter Details gespickt sind. Oder hätten Sie etwa gewusst, dass die Töne eines Finnwals unter Wasser mehr als 800 Kilometer weit zu hören sind und der weiße Beluga-Wal wegen seiner hohen Laute auch den Beinamen „Meeres-Kanarienvogel“ trägt? |