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Geschichte |
Die Islamische Republik Mauretanien ist eine ehemalige französische
Kolonie in Westafrika, am Atlantik gelegen. Sie grenzt an
die Staaten Algerien, Mali und Senegal sowie an das Territorium
der Westsahara (Demokratische Arabische Republik Sahara).
Mauretanien liegt am Westrand der Sahara und ist von urprünglich
nomadisch lebenden Mauren, einem Mischvolk aus Arabern, Berbern
und assimilierten schwarzen Westafrikanern, bewohnt. Die zeitgenössischen
Beobachter Mauretaniens haben das Land oft als Brücke zwischen
Nord- und Westafrika beschrieben. In der Tat haben auch verschiedene
Gruppen in Mauretanien starke kulturelle und wirtschaftliche
Verbindungen mit ihren Nachbarn in den beiden Regionen (Maghreb
und CEDEAO - Communauté Économique des États de l'Afrique
de l'Ouest) aufrechterhalten, mit denen sie die meiste Zeit
über in direktem Kontakt standen. Obwohl das Land als geographische
Transportbrücke für den Gold-, Salz- und Sklavenhandel zwischen
den nördlichen und südlichen Grenzen der Sahara diente, markierte
es ebenfalls die kulturelle Grenze zwischen den sesshaften
Landwirten des subsaharischen Afrika und den arabisch-berberischen
Nomaden des Maghrebs. Durch die gesamte Geschichte Mauretaniens
war die Wechselbeziehung zwischen den beiden Kulturen voller
politischer und sozialer Konflikte, was die Mauretanische
Politik in der Vergangenheit immer wieder beeinträchtigte
und sehr wahrscheinlich mittelfristig weiterhin beeinflussen,
um nicht zu sagen bestimmen wird. Einzig der Islam, zu dem
sich die Gesamtheit der Bevölkerung seit dem 9. Jahrhundert
bekennt, stellt eine einheitliche Bindung zwischen den verschiedenen
Bevölkerungsteilen dar.
Der Bund der Sanhadscha (3. bis 10.
Jahrhundert)
Der Charakter der heutigen Bevölkerung spiegelt die Wellen
der Einwanderungen aus dem Norden Richtung Mauretanien wider,
die im 3. Jahrhundert n.C. begannen, als die ersten Berber
einzogen (erste Einwanderungswelle). Die einheimischen Völker
wurden nach weiteren berberischen Einwanderungswellen im 7.
und 8. Jahrhundert - Ankunft des Islam in Nordafrika - besiegt
und wurden entweder unterworfen oder sind in Richtung Süden
weitergezogen bzw. geflüchtet. Im 9. Jahrhundert gründeten
drei berberische Gruppen - Lamtuna, Massufa und Dschudala
- einen Bund, den sogenannten Bund der Sanhadscha, um die
Herrschaft über die Handelswege der Sahara zu gewinnen. Der
Bund der Sanhadscha hat den Handel zwischen dem antiken Imperium
Ghanas und der Stadt von Sidschilmasa monopolisiert und die
historisch wichtigen Städte des Landes - Koumbi Saleh, Aoudaghast,
Oualata, Tichitt und Ouadane - entlang der Karavanenroute
gegründet.
Die Almoraviden und die schwarzen Imperien
(11. bis 14. Jahrhundert)
Im 11. Jahrhundert und nach der Auflösung des Sanhadja-Bundes
begann für das Land eine Periode der Unruhe und der Kriege
unter den verschiedenen Berber-Gruppen des früheren Sanhadja-Bundes.
Eine kleine Gruppe von Sanhadja, die Almoraviden, gründete
dann ein religiöses Zentrum, von dem aus sie eine islamische
Doktrin der Reform predigten und ein islamisches Imperium
errichteten. Im Jahre 1090 reichte das Imperium der Almoraviden
von Spanien bis nach Senegal. In weniger als vierzig Jahren
wurde jedoch die expansive Energie der Almoraviden schwächer,
bedingt durch die Schwierigkeiten, die sich aus der Verwaltung
des mittlerweile gewaltig angewachsenen Reiches ergaben -
gleichzeitig hatten sich ihre Feinde im Norden und im Süden
stark weiterentwickelt. Die schwarzen Königreiche Ghanas,
Malis und Songhai haben im Laufe der sechs folgenden Jahrhunderte
ihre Territorien ausgedehnt und die Berberischen Burgen übernommen
- dieser Vorgang wird heute als die zweite Einwanderungswelle
bezeichnet.
Die arabische Invasion (14. bis 18.
Jahrhundert)
Eine dritte Einwanderungswelle, dieses Mal aus dem Norden,
stellte die arabische Infiltration von verschiedenen Gruppen
aus dem Jemen dar, die Berber und Afrikaner gleichermaßen
Richtung Süden verdrängt haben. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts
hatte eine dieser arabischen Gruppen, Bani Hassan, das ganze
Territorium des heutigen Mauretanien unter ihrer Kontrolle.
Die heutige Sozialstruktur Mauretaniens ist auf die Situation
am Ende des 17. Jahrhunderts zurückzuführen, als Bani Hassan
die religiösen arabisch-berberischen Gruppen, Zwaya, besiegten,
die sie auszustoßen versuchten (Schurbubba-Krieg). Die kriegerischen
arabischen Gruppen haben ihre Herrschaft über die Berber behauptet,
die zum größten Teil zu Geistlichen wurden und sich den Arabern
unterordneten. Tief in der sozialen Pyramide standen deren
schwarzen Sklaven, die so genannten Haratin. Alle drei Gruppen
sprechen Hassanija, einen arabischen Dialekt, und bilden die
sogenannten Mauren. In dieser Zeit lebten die meisten Schwarzafrikaner
im Flußbecken des Senegalflusses.
Die Kolonialzeit (16. bis 20. Jahrhundert)
Die Europäer fingen erst in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts
an, Interesse an Mauretanien zu zeigen, zuerst in Form von
Entdeckungsreisen duch die Wüste. Französische Kaufleute in
Saint Louis kauften von den Mauren im Süden Mauretaniens das
Gummi Arabicum auf. Im 19. Jahrhundert besetzten französische
Streitkräfte die Regionen von Trarza und von Brakna, die sich
ebenfalls im Süden Mauretaniens befinden. Anfang des 20. Jahrhunderts
haben sich die französischen Streitkräfte unter Xavier Cappolani
erneut Mauretanien als Eroberungsziel auserkoren und versuchten
mit aller Kraft, die kriegerischen arabischen Führer zu befrieden.
Aber im Gegensatz zu ihrer in Westafrika praktizierten kolonialen
Herrschaftsweise haben die Franzosen in Mauretanien eine laissez-faire-Politik
verfolgt, indem sie sich die arabischen Herrschaftsstrukturen
zunutze machten. Diese damals eingerichteten Herrschaftsstrukturen
bestanden bis in die Vierziger Jahre, genauer: bis nach dem
dem Ende des 2. Weltkriegs. Während die allermeisten französischen
Kolonien ihre Unabhängigkeit anstrebten, oder wenigstens eine
entscheidende Reform, gab es in Mauretanien nur ein Minimum
an politischer Aktivität. Frankreich hat trotzdem Änderungen
in die Praxis umgesetzt, die den Reformen entsprachen, die
auch überall sonst im französisch-sprechenden Afrika verlangt
und gewährt wurden.
Die Unabhängigkeit (1960 bis 1975)
Die neue politische Freiheit betraf höchstens 10% der Bevölkerung;
doch selbst in dieser Gruppe hat es Gruppierungen gegeben,
die gegen die politische Unabhängigkeit der Kolonie waren.
Einige Mauren mit starken Verbindungen zu Marokko haben für
die Einheit mit Marokko plädiert, während die Schwarzafrikaner
im Süden sich der neuen Föderation Malis anschließen wollten.
Nur durch Kooptieren der traditionellen Führer mit vagen Versprechungen
gelang es Mauretaniens politischem Führer und erstem Präsidenten
Mokhtar Ould Daddah, die politische Einheit zu wahren, während
Mauretanien seine Unabhängigkeit am 28. November 1960 feierte.
In den ersten Jahrzehnten der Unabhängigkeit ist Mauretanien
zutiefst geteilt geblieben. Die "Schwarzen" im Süden (Nicht-Mauren),
waren durch die Beherrschung des politischen Geschehens durch
die Mauren natürlich verstimmt, welche sich u.a. in der unverhältnismäßigen
Vertretung der Mauren in Bürokratie, Offizierkorps der Armee
und in ungleicher Zuteilung der Entwicklungsfonds sowie der
Erhebung des Arabischen zur Amtssprache widerspiegelt. Mit
studentischer Unterstützung hat die erste Gewerkschaft Mauretaniens
(Union de Travailleurs Mauritaniens -UTM) gegen eine Gehaltstabelle
protestiert, nach der ein Teil der ausgebürgerten Europäer
Gehälter bezogen, die fast 1.000 Mal höher lagen als die ihrer
mauretanischen Kollegen.
Der Westsaharakonflikt (1975 bis 1978)
Im Jahre 1975 haben sich Mauretanien und Marokko gegen die
Guerrilleros der Polisario von der Arabischen Demokratischen
Republik Sahara (RASD) verbunden. Aber im Jahre 1978, nach
mehreren überraschenden Angriffen der POLISARIO gegen Nouakchott
und die Eisenerzproduktion in Zouèrate, war es offenkündig
geworden, dass die mauretanischen Soldaten den Guerrilleros
nichts zu entgegnen hatten. Trotzdem hat die Regierung ihre
kostspielige Verwicklung in diesen Konflikt fortgesetzt, einerseits
um eine mögliche Invasion der marrokanischen Truppen zu verhindern
und andererseits, um die Mauren zufriedenzustellen, die in
der Annektierung von Tiris Al-Gharbiyya den ersten Schritt
zum großen vereinten Mauretanien sahen. Die schwarze Bevölkerung
Mauretaniens insbesondere hat sich dem Krieg aus mehreren
Gründen widersetzt. Zuerst wegen der immer knapper werdenden
Mittel, die, anders eingesetzt, eine größere landwirtschaftliche
Entwicklung im Süden unterstützt hätten; zweitens hat der
Krieg das Terrain für die Militäroffiziere (die mehrheitlich
Mauren waren) vorbereitet, sich in der Zivilregierung zu etablieren,
also stark an Einfluss zu gewinnen; und schließlich war die
Mehrheit der Rekrutierten schwarz und die Mehrzahl der Offiziere
Mauren. [Bearbeiten] Das Militär an der Macht (1978 bis 1984)
Wegen der hohen Kosten des Kriegs und der politischen Streitigkeiten
in Mauretanien unternahm eine Offiziersgruppe am 10. Juli
1978 einen Putsch und ernannte Oberst Mustafa Ould Salek als
Vorsitzenden des neugebildeten Comité Militaire de Salut National
(CMSN) zum Staatschef. Auch Salek gelang es nicht, Mauretanien
aus dem Westsaharakonflikt herauszulösen. Im Juli 1979 rissen
der Oberst Ahmed Ould Bouceif und Mohamed Khouna Ould Haidalla
die Macht an sich. Nachdem Bouceif bei einem Flugzeugabsturz
getötet wurde, wurde Haidalla zum Ministerpräsidenten des
Landes. Als Führer des CMSN hat Haidalla einen Waffenstillstand
mit den Guerilleros unterzeichnet und sicherte die Neutralität
Mauretaniens im Westsaharakonflikt zu, obwohl seine Regierung
später der diplomatischen Anerkennung der Westsahara zugestimmt
hat.
Taya-Regime (1984 bis 2005)
Als Antwort auf die fortschreitende Korruption des Haidalla-Regimes
und auf eine scheinbar unwillkommene merkliche Neigung desselben
für die RASD/Westsahara, unternahm Oberst Maaouiya Ould Sid
Ahmed Taya am 12. Dezember 1984 einen erfolgreichen Putschversuch.
Die sich für reformistisch erklärende Regierung Tayas, konnte
es kaum abwarten, demokratische Institionen zu gründen, um
von ihrer Unfähigkeit abzulenken, entscheidende wirtschaftliche
und politische Reformen zu unternehmen sowie die ethnischen
Konflikte zu dämpfen. Taya versprach, Kommunalwahlen in den
13 Regionshauptstädten zu organisieren (was er im Dezember
1987 einlöste), die politischen Gefangenen zu entlassen, die
Zivilrechte zu bestätigen und die Korruption zu beenden. Eine
zweite Runde der Wahlen fand im Dezember 1987 und Januar 1988
statt, dieses Mal, um 500 Ratsmitglieder im ganzen Land zu
wählen. Taya schaffte es bis zu seinem Sturz nicht dieethnischen
Spannungen zu lindern, die ein Hauptgrund für die mangelhafte
Entwicklung des Landes sind.
Putsch gegen Taya
Am 3. August 2005 besetzte eine Gruppe von Offizieren, die
sich Militärrat für Gerechtigkeit und Demokratie nennt, das
Armee-Hauptquartier, den Sitz des staatlichen Hörfunks und
des Fernsehens sowie die Ministerien und den Präsidentenpalast
in Nouakchott und erklärte Präsident Taya für abgesetzt. Die
Putschisten hatten einen Auslandsaufenthalt Tayas anlässlich
des Begräbnisses von König Fahd in Saudi Arabien genutzt;
Taya ist nicht nach Mauretanien zurückgekehrt, sondern hat
nach Zwischenaufenthalten in Niger (wo er von Präsident Tandja
Mamadou empfangen wurde) und Gambia Aufnahme in Katar gefunden.
Die Afrikanische Union (AU) verurteilte den Staatsstreich.
Die Putschisten bestimmten den langjährigen bisherigen Polizei-
und Geheimdienstchef, Oberst Ely Ould Mohammed Vall zum neuen
Führer des Landes. Die neue Militärregierung kündigte an,
innerhalb von zwei Jahren demokratische Verhältnisse in Mauretanien
einzuführen. Oberst Vall wurde zum Vorsitzenden des 17-köpfigen
Militärrates, und damit zum Staats- und Regierungschef ernannt.
Am 5. August wurde Mauretanien „bis zur Wiederherstellung
der verfassungsmäßigen Ordnung“ vorübergehend aus der AU ausgeschlossen.
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