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Geschichte |
Schon ab dem Jahr 1000 v. Chr. entstehen an den Küsten des
Mittelmeeres und Atlantiks phönizische bzw. karthagische Handelsniederlassungen.
Die gefundenen Überreste punischer Siedlungen wie in Lixus
weisen auf die Expansion Karthagos hin. Die punischen Kriege
zwischen 264 v. Chr. und 146 v. Chr. schwächen die Macht der
Phönizier von Karthago, sodass numidische (nordafrikanische)
Fürsten ihren Einfluss bedeutend ausweiten können. Nach der
endgültigen Niederlage Karthagos 146 v. Chr. dringen die Römer
in den nordwestlichen Teil Afrikas vor. Von 25 v. Chr. bis
40 n. Chr. lenken der von Kaiser Augustus eingesetzte Juba
II. und später dessen Sohn Ptolemaios die Geschicke Mauretanias.
Nachdem Kaiser Caligula den letzten mauretanischen Herrscher
40 n. Chr. ermorden ließ, wird das mauretanische Reich in
zwei römische Provinzen unterteilt: Mauretania Caesarea im
Osten und Mauretania Tingitana im Westen.
Im Jahr 429 gründen dann die Vandalen unter König Geiserich
im westlichen Nordafrika das erste autonome Germanenreich
auf römischem Boden, das 105 Jahre später von Byzanz erobert
wird. Im Jahre 681 besiegt und vertreibt Oqba ben Nafi al
Fihri die Byzantiner und bringt gleichzeitig die islamische
Religion aus dem fernen Arabien bis an den Atlantik. Während
des 7. Jhs. dringen islamische Araber in Marokko ein, was
dazu führt, dass sich die Berber zum Islam bekehren, politisch
aber weitgehend unabhängig bleiben. 710/711 nehmen sie an
der muslimischen Eroberung Spaniens teil, was Andalusien bis
heute kulturell beeinflusst. Tariq, nach dem der Felsen von
Gibraltar seinen Namen hat (Djebel Tariq), marschiert mit
einer Truppe arabischer und berberischer Soldaten in einem
breit angelegten Feldzug in Spanien ein. (Erst 1492, im Jahr
der Entdeckung Amerikas, gelang den Spaniern die vollständige
Rückeroberung.) Verschiedene Berberstämme rebellieren im Jahre
740 gegen die Araber und ein schiitischer Flüchtling aus Damaskus
mit Namen Moulay Idriss wird im Jahre 788 zum Imam der Marokkaner.
Nach seiner Ermordung übernimmt sein Sohn Idriss II. im Alter
von elf Jahren den Thron. Dieser gründet die Stadt Fès, baut
sie zu einer wichtigen Metropole aus und lässt die erste Universität
errichten. Einige Krisen führen nach seinem Tod zum Zerfall
der Dynastie in wiederum kleinere Fürstentümer.
Zwischen 920 und 1050 nehmen die Fatimiden Fès ein, doch
die eiserne Entschlossenheit der wehrhaften Sippen zwischen
Rif und Atlas verhindert, dass die tunesischen Machthaber
auch den westlichen Maghreb erobern. 50 Jahre später haben
die Almoraviden, ein Berberstamm aus Mauretanien, die Macht
erobert. Um 1060 errichtet Abou Bekr an der Stelle der zukünftigen
Hauptstadt Marrakesch als Basis für die Unterjochung der Region
ein Zeltlager. Nach den Almoraviden kommen die Almohaden und
beginnen damit, eine einheitliche Herrschaft über den gesamten
Maghreb zu errichten. Der dritte Almohadenherrscher, Yacoub
al-Mansour, gründet die neue Hauptstadt Rabât und leitet eine
Blütezeit ein. dassallerdings die östlichen Provinzen nach
Unabhängigkeit streben, zerfällt der Maghreb wieder in seine
z. T. noch heute bestehenden Teile Tunesien, Algerien und
Marokko. Während des 12. Jhs. verdrängen die Almohaden zum
einen unter Abd el-Moumen (1130-1163) die Almoraviden in den
östlichen Maghreb.
1146 kapitulieren Fès, Meknès und Sala, ein Jahr später
folgt Marrakesch. Zum anderen unterwerfen sie bei einer Expedition
gegen die Normannen die Hafenstädte Nordafrikas einschließlich
Tripolis. Nun beherrschen sie das gesamte Herrschaftsgebiet
des westlichen Islam. Die Koutoubia-Moschee wird in Marrakesch
errichtet. Abou Yakoub Youssouf (1163-1184) unterdrückt eine
Revolte in Gafsa (Tunesien), im Zuge dessen ein Teil der Bevölkerung
nach Marokko und Spanien umgesiedelt wird. Er nimmt nach erfolgreichen
Kämpfen gegen die spanische Reconquista 1190 den Titel "El-Mansour"
an, "der Siegreiche" und prägt die folgende Epoche insbesondere
durch eine rege Bautätigkeit und die Förderung der Künste
an seinem Palast in Marrakesch. Als Tunesien sich selbstständig
macht, wird das Reich geteilt. Die Meriniden breiten sich
sowohl nach Osten als auch nach Süden aus, was dazu führt,
dass sie unter der Führung von Abou Yahya (1244-1258) und
Abou Youssouf Yakoub (1258-1286) innerhalb eines Vierteljahrhunderts
ganz Marokko erobern. Fès wird wieder Residenz. Zum Ende des
13. Jhs. ist der Maghreb in drei Reiche geteilt: Der Westen
gehört den Meriniden, welche die Almohaden entmachten, der
mittlere Teil den Abdalouadiden von Tlemcen und der Osten
(Tunesien und Ostalgerien) den Hafsiden.
Zwischen 1331 und 1351 unterwirft Abou el-Hassan den Maghreb,
1337 wird Tlemcen besetzt, 1347 Tunis erobert und noch heute
zeugen prachtvolle Monumente in zahlreichen Städten vom Glanz
der Merinidenkultur. Als dann 1358 Abou Inan, Sohn von Abou
el-Hassan und letzter großer merinidischer Sultan, ermordet
wird, entstehen zahllose Fürstentümer mit eigenen Machtansprüchen.
Die Portugiesen erobern 1415 Ceuta. Fünf Jahre später wird
der merinidische Sultan Abou Saïd samt seiner Familie in Fès
von einem Palastdiener umgebracht und der einjährige Abd el-Haqq,
der als Einziger das Attentat überlebt, zum Sultan erklärt.
Während seiner Kindheit übernehmen Mitglieder der Familie
der Banu Ouattas die Regentschaft, werden aber, als Abd el-Haqq
erwachsen ist, beseitigt. 1511 greifen die Saadier aus dem
Drâa-Tal Agadir an, nehmen 1525 Marrakesch und später 1554
Fès ein. dasssie als Schorfas - Abkömmlinge des Propheten -
sehr hohes Ansehen genießen, gewinnen sie quasi im Handstreich
den marokkanischen Thron. Aufgrund europäischer Expansionspolitik
errichten zunächst Portugal dann Spanien einige Bastionen
entlang der Mittelmeerküste. 1554 werden die Portugiesen von
den Saadiern mit ihrem Führer Ahmed al-Mansour bezwungen.
1578 dann sterben der portugiesische König Don Sebastian sowie
die verfeindeten Brüder El-Moutaouakkil und Abd el-Malik bei
der berühmten "Schlacht der drei Könige".
Bis 1603 dann hat Ahmed el-Mansour, der nach dem Feldzug
durch das "Land der Schwarzen" und der einträglichen Plünderung
von Timbuktu "Ed-Dehbi", "Der Vergoldete", genannt wird, in
Marrakesch glanzvolle Bauten errichten lassen. Die königliche
Nekropole stellt nun ein wahres Juwel maghrebinischer Baukunst
dar. Die in der 2. Hälfte des 16. Jhs. erstarkte Familie der
Alaouiten erobert unter ihren Führern Moulay Scherif, Moulay
M'hammed und Moulay Rachid zu Beginn des 17. Jhs. das gesamte
Land. In der Zeit von 1672 bis 1727 "befriedet" Moulay Ismail
das Land mit einer Armee schwarzer Sklaven, die er zu einem
Großteil aus dem Sudan erwirbt. Seine Residenz errichtet er
in Meknès. Er ist es, der die Stadt durch einen zum Teil dreifachen
Mauerring von zyklopischen Ausmaßen zu einer drohenden Feste
macht. Moulay Ismail, jener Sultan, der seine Sklaven quält
wie kein Zweiter, seine Kamele verhätschelt wie kein Anderer
und Meknès mit seinem eigenen Schicksal verbindet. Nach seinem
Tod herrscht Chaos im Lande, die Ordnung wird erst später
durch seine Nachfolger Moulay Abdallah und Sidi Mohammed Ben
Abdallah zeitraubend wieder hergestellt. 1765 wird der Hafen
von Essaouira als wichtiger Umschlagplatz für aus Timbuktu
kommende Waren erbaut. Nach verheerenden Dürrezeiten und Pestepidemien
gegen Ende des Jahrhunderts entfaltet sich langsam der Feudalismus.
In der Folge muss das Land gegen innere Unruhen und Instabilität
ankämpfen.
Die in Europa aufkommenden Franzosen besetzen zunächst Algerien
und errichteten, gedeckt durch ein Abkommen mit Großbritannien,
eine "internationale Verwaltung" in Tanger. Dadurch wird in
den Folgejahren der "Heilige Krieg" wieder belebt, doch die
marokkanischen Truppen, die den algerischen Widerstand um
Abd el-Kader unterstützen sollen, werden bei Oujdassvernichtend
geschlagen. Auch die Konflikte zwischen Marokko und Spanien
enden mit einer marokkanischen Niederlage, sodass sich Mohammed
IV. zur Zahlung einer Entschädigung an Spanien verpflichtet
und im Jahr 1860 Tétouan als Pfand genommen wird. Zudem werden
die spanischen Hoheitsgebiete von Ceuta und Melilla erweitert;
Casablanca wird das zweite Zentrum der Europäer. In den zwanzig
Jahren nach 1873 reorganisiert Hassan I. Verwaltung und Armee
und treibt die Entwicklung der Wirtschaft voran. Zu Beginn
des neuen Jahrhunderts beschneidet der sog. "Akt von Algeciras"
die marokkanische Unabhängigkeit und gesteht den Fremdmächten
beträchtliche Freiheiten in Wirtschaft und Handel zu. Die
Ermordung von Franzosen in Marrakesch und Casablanca im Jahr
1906 liefert nur den Vorwand für das Eingreifen französischer
Truppen und die anschließende Teilbesetzung Marokkos (Oujdass,
Casablanca). Die fünf Jahre später ausbrechenden Unruhen,
bedingt durch die zwangsweise Anerkennung des Vertrags von
Algeciras unter dem Druck ausländischer Banken angesichts
hoher Schulden, lässt die Franzosen in Fès eindringen und
führt im darauf folgenden Jahr 1912 zur Konvention von Fès.
Abd el-Hafid unterzeichnet den Protektoratsvertrag mit Frankreich,
wobei er zugunsten seines Halbbruders Youssouf auf den Thron
verzichtet. Der Sultan bleibt nach wie vor Anführer der religiösen
Gemeinschaft.
Während nun die Franzosen unter General Hubert Lyautey die
politische Führung übernehmen, wird in Tiznit El-Hiba zum
Gegensultan ausgerufen. In den folgenden zwei Jahrzehnten
erweitern die Franzosen die Infrastruktur des Landes, Straßennetze,
Eisenbahn, Häfen und Stauwerke werden gebaut, die Landwirtschaft
entwickelt, Tanger wird zur internationalen Zone erklärt und
Rabat Hauptstadt. Spanien erhält das Rifgebiet. Die Aneignung
von Grundstücken treibt den Prozess der Kolonisierung weiter
voran. Unter massivem Druck der französischen Militärmacht
unterzeichnet 1930 der neue Sultan Mohammed V. einen Erlass,
wonach die Berber der französischen Gerichtsbarkeit unterstellt
werden und sich eine islamistisch geprägte nationalistische
Bewegung formiert. Während des 2. Weltkriegs nimmt der Nationalismus
in Marokko zu. Ab 1951 steht die "marokkanische Frage" auf
der Tagesordnung der Generalversammlung der UNO. Im Jahr darauf
fordert Mohammed V. in einer Rede im November die sofortige
politische Befreiung Marokkos. Er wird 1953 verbannt, doch
die Bevölkerung kann zwei Jahre später seine Rückkehr durchsetzen,
wobei er in Rabât stürmisch bejubelt wird. Das französische
Protektorat endet offiziell am 2.3.1956, und Frankreich und
Spanien erkennen die Unabhängigkeit Marokkos unter Sultan
Mohammed V. an, der internationale Status von Tanger endet
ebenfalls.
1957 nimmt Mohammed V. den in Marokko neuen Titel eines
Königs an. Nach seinem Tod 1961 übernimmt Hassan II. die Thronnachfolge
und vollendet die ausgearbeitete und ab 1962 geltende Verfassung.
Ein Jahr später finden die ersten Parlamentswahlen statt,
im Zuge dessen Oppositionelle verhaftet werden. Ein Grenzkrieg
mit Algerien lenkt von innenpolitischen Schwierigkeiten ab.
1969 wird die erste islamische Konferenz in Rabât abgehalten.
1971/72 überlebt der König zwei Putschversuche. Beim "Grünen
Marsch" am 6.11.1975 überschreiten 350.000 Marokkaner die
Grenze zur Westsahara. König Hassan II. war auf den Gedanken
gekommen, einen friedlichen Marsch zu organisieren, in Gedenken
an den Propheten, der einst triumphal nach Mekka zurückkehrte.
Es gab einen schier unglaublichen Enthusiasmus im ganzen Land.
Der König bestimmte die Teilnehmerzahl, und man stellte in
den Rekrutierungsstellen fest, dass nahezu jeder Marokkaner
willens war, den Weg in den Süden anzutreten. Am 6. November
gibt der König schließlich den Auserwählten das Signal zum
Aufbruch. Zur gleichen Zeit wird fieberhaft nach einer politischen
Lösung gerungen. So wird dann der grüne Marsch gestoppt und
damit begonnen, eine marokkanische Regierung einzusetzen,
die die frühere spanische ersetzt. Die Spanier ziehen ab und
den ersten Gouverneur, der von König Hassan II. nach El-Ayoun
gesandt wird, empfängt die Bevölkerung der Sahara überschwänglich.
Im Anschluss an die Entkolonialisierung des Gebietes der
Westsahara kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit
der Befreiungsbewegung POLISARIO, die für einen eigenen Staat
Sahara eintritt. 1988 akzeptieren Marokko und die POLISARIO
den Westsahara-Friedensplan des UNO-Generalsekretärs Perez
de Cuellar nur mit Einschränkungen, der ein Referendum in
dem betroffenen Gebiet vorsieht. 1989 erfolgt die Gründung
der Union des Arabischen Maghreb (UMA), wonach Marokko, Mauretanien,
Tunesien, Algerien und Libyen eine enge wirtschaftliche und
kulturelle Zusammenarbeit planen. 1993 wird in Casablanca
die zweitgrößte Moschee der islamischen Welt eröffnet, die
Grande Mosquée Hassan II. Am 23.7.1999 stirbt Hassan II. und
sein ältester Sohn übernimmt die Thronfolge als Mohammed VI.
In ihn, den man auch "König der Armen" nennt, werden große
Hoffnungen gesetzt. In seiner ersten Rede an die Nation bekennt
er sich zu Rechtsstaat, politischen Pluralismus, zur Achtung
der Menschenrechte und zur Fortsetzung der marktwirtschaftlichen
Reformen. Darüber hinaus lässt er etwa 8.000 Häftlinge frei
und mildert für rund 38.000 Strafgefangene teilweise erheblich
die Strafen. 2001 wird die Volksbefragung über die Zukunft
der Westsahara verschoben.
Staats- und Regierungsform
Mehrparteiensystem, konstitutionelle Monarchie, ein gesetzgebendes
Organ.
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