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Italien [Teil 1]

Allgemeine Landesdaten

Offizieller Name: Repubblica Italiana.

Fläche: 301.277 km²

Einwohnerzahl: 57.892.000 (2001)

Größte Städte: Rom (Hauptstadt) - 2,8 Mio, Mailand - 1,43 Mio, Neapel - 1,2 Mio, Turin - 992.000, Palermo - 734.000, Genua - 701.000, Bologna - 412.000, Florenz - 408.000 Einwohner.

Offizielle Landessprache: Italienisch.

Bevölkerungsgruppen: Italiener 96,0 %, Nordafrikaner 0,9 %, Italo-Albaner 0,8 %, Albaner 0,5 %, Deutsche 0,4 %, Österreicher 0,4 %, Andere 1,0 % (2000).

Religion: Katholiken 81,7 %, Nicht-Religiöse 13,6 %, Muslime 1,2 %, Andere 3,5 % (1996).

Lebenserwartung: Männer - 75,9, Frauen - 82,5 (2001).

Auskunft

Staatliches Italienisches Fremdenverkehrsamt
Kaiserstraße 65
60329 Frankfurt/Main
Tel.: 069 237434
Infobüro: von Mo–Fr zwischen 10.00 und 17.00 Uhr geöffnet.

Prospekte, gebührenfrei unter
Tel.: 0080000 482542

Besonderheiten

Umgangsformen

Eine formlose Begrüßung unter Freunden ist Ciao (“Hallo” oder “Tschüs”). Bei etwas offizielleren Anlässen hört man eher Buon giorno (“Guten Tag”) oder Buona sera (“Guten Abend”). Oft gehen Italiener gleichen Geschlechts Arm in Arm. Titel haben nach wie vor große Bedeutung. Mittlerweile ist auch die Anrede mit dem Vornamen sehr verbreitet. Cafés sind überall in Italien wichtige Treffpunkte. Hier kann man – meist im Stehen – frühstücken, zwischendurch schnell einen Kaffee trinken oder einen Imbiss einnehmen. Zum Essen geht man in ein Restaurant.

Halbentblößtem Touristenfleisch in Shorts und geöffnetem Hawaii-Hemd rückt nicht nur in Venedig die Polizei auf den Leib. Anstößige Kleidung steht in der Lagunenstadt unter Strafe. Wer im Bikini oder in Badehosen auf öffentlichen Plätzen erwischt wird, muss mit Bußgeldern bis zu 200 Euro rechnen.

Nackt baden oder sonnen ist im ganzen Land ausdrücklich verboten und obendrei total verpönt. Trotzdem lassen Mutige an einigen, wenigen Stränden die Hüllen schon einmal fallen (z. B. auf Elba). "Oben ohne" wird zwar nicht gern gesehen, setzt sich aber nach und nach durch.
Im Gespräch legen Italiener großen Wert auf TiTel.: Jeder Studierte sollte mit "dottore", jeder Lehrer mit "professore" angesprochen werden. Wenn der Gegenüber bei der Unterhaltung etwas zu nahe kommt, ist dies kein Zeichen von Aggressivität. Sprechende stehen hier einfach näher zusammen als in Nordeuropa.
Kinder genießen nahezu Narrenfreiheit. Auch beim größten Lärm wird nicht getadelt. In besseren Restaurants nicht nur Pizza oder Pasta bestellen, sondern mindestens zwei Gänge.

Weltkulturerbe

Felsenzeichnungen im Val Camonica (Lombardei); Kirche und Dominikanerkonvent Santa Maria delle Grazie mit Leonardo dassVincis "Abendmahl" in Mailand; Historisches Zentrum von Rom, Basilika St. Paul "vor den Mauern" in Rom und Vatikanstadt; Historisches Zentrum von Florenz; Venedig und seine Lagune; Domplatz von Pisa; Historisches Zentrum von San Gimignano; Felsarchitektur der Sassi di Matera; Vicenza und die Villen des Architekten Palladio in der Region Venetien; Historisches Zentrum von Siena; Historisches Zentrum von Neapel; Crespi d'Addass(typische Gewerbewohnsiedlung aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert) in Neapel; Ferrrara: Stadt der Renaissance; Castel de Monte; "Trulli" (Rundbauten) von Alberobello; Frühschristliche Baudenkmäler und Mosaike von Ravenna; Historisches Zentrum von Pienza; Königliches Schloss in Caserta mit Park, Aquädukt und der San-Leucio-Anlage; Residenzen des Hauses Savoyen in Turin und Umgebung; Botanischer Garten in Padua; Kathedrale, Torre Civica und Piazza Grande in Modena; Archäologische Stätten von Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata; Römische Villa von Casalet (Sizilien) mit ihren Mosaiken; Nuraghe (bronzezeitliche Turmbauten) von Barumini (Sardinien); Kulturlandschaften Portovenere und Cinque Terre; Kulturlandschaft Küste von Amalfi; Archäologische Stätten von Agrint; Nationalpark Cilento Val di Diano mit Paestum, Velia und der Kartause von Padua; Historisches Zentrum von Urbino; Archäologische Fundstätten und die Basilika des Patriarchen von Aquileia; Hadransvilla bei Tivoli.

Bilder

Bilder einer Reise nach Sizilien

NEU - Januar 2006: 1. Ausgabe; mit mehr als 500 großformatigen Fotos einer Reise, die an die folgenden Orte führte:
Palermo - Santa Flavia - Cefalù - Trapani - Marara del Vallo - Agrigento - Ragusa - Portopalo - Noto - Siracusa - Catania - Acireale - Aci Castello

Diplomatische Vertretungen

Deutsche Botschaft
Via San Martino della Battaglia 4
I-00185 Roma
Tel.: 0039 06 49213-1
Fax: 0039 06 49213319
E-Mail

Italienische Botschaft
Dessauer Straße 28/29
10963 Berlin
Tel.: 030 254400
Fax: 030 25440100
Sprechzeiten: Mo-Fr 09.00-12.30, Mi 15.00-18.00 Uhr

Tourismus

Eines der beliebteten europäischen Urlaubsländer: Italien. Jedes Jahr aufs neue strömen Millionen von Besuchern aus der ganzen Welt in dieses Land um "Bella Italia" zu erleben. Mit seinen wundervollen Landschaften und Regionen ist Italien einzigartig. Neben der Landschaft ist auch die Kultur und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten hervorzuheben. In unmittelbarer Nähe zu den Italien Ferienwohnungen finden sich ideale Bedingungen für den Sommerurlaub mit der Familie. Auch Genießern wird mit der Vielzahl an kulinarischen Hochgenüssen viel geboten und lädt zu Bereisen von Italien ein.

Familienstruktur Viele Paare sind jahrelang verlobt, weil die Italiener mit einer Heirat oft warten, bis sie eine Ausbildung abgeschlossen und eine Arbeit gefunden haben. Eine Scheidung ist gesetzlich erst dann möglich, wenn die Ehepartner bereits mindestens drei Jahre getrennt gelebt haben. Im Norden des Landes gibt es in den meisten Familien nur ein oder zwei Kinder. Größere Familien sind im Süden üblich, wo häufig mehrere Generationen unter einem Dach wohnen. Der Norden und der Süden Italiens unterscheiden sich auch darin, dass die Frauen im Norden größere gesellschaftliche Freiheiten genießen und im Beruf bessere Chancen haben.

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Flora & Fauna

Wie große Teile Europas war auch das Italienische Tiefland früher dicht bewaldet, aber nach 2200 Jahren intensiver landwirtschaftlicher Nutzung blieb in den nördlichen Ebenen kaum etwas von der ursprünglichen Vegetation erhalten. Nutzpflanzen beherrschen die Landschaft und selbst die Pappeln an den Flussufern wurden angepflanzt. Weiter im Süden überwucherte dichtes Strauchwerk aromatischer Pflanzen brachliegendes Ackerland oder aus steinigen gebieten wurden Heidelandschaften mit niedrigem Buschwerk und blühenden einjährigen Pflanzen. In einigen Gebieten, z. B. in Kalabrien, entstand eine wüstenähnliche Landschaft. In den Apenninen wachsen Eichen, Kastanien und Buchen. Auf der Westseite des Gebirges und auf Sardinien finden sich an den unteren Berghängen bis 600 m immergrüne Wälder. In den Alpen halten sich nur wenige Pflanzen oberhalb 2250 m. aufgrund forstwirtschaftlicher Nutzung blieb ein Eichen- und Süßkastanienbestand auch in den Vorgebirgen erhalten. Rund um die Seen wachsen Oliven-, Lorbeerbäume und Zypressen.

Über Jahrhunderte betriebene Jagd und dichte Besiedlung führten zu einem enormen Rückgang der Tierwelt. Die Alpen bieten jedoch noch heute Hermelin, Alpen-Hasen und Rebhühnern eine sichere Zuflucht. Zu den größeren Säugetieren gehören Steinböcke, die immer seltener werdenden Braunbären, Gämsen und Rotwild. Im Süden des Landes leben Füchse und in den Appeninen auch Wölfe. Auf Sardinien sind neben Damhirschen auch Mufflons und Wildschweine beheimatet. Zu den reichen Fischbeständen in den Küstengewässern gehören Tunfisch, Schwertfisch und Haie. Die Umweltverschmutzung der Gewässer stellt ein ernstes Problem dar. Sowohl an der Mittelmeer- als auch an der Adriaküste führte ein verstärktes Algenwachstum zum Absterben vieler Lebensformen im Meer. Dieses Wachstumsphänomen wurde durch chemische Rückstände aus der Industrie und Landwirtschaft, die ins Meer gespült wurden, extrem begünstigt. Die Algen entzogen dem Wasser Sauerstoff, wodurch ein gewaltiges Fischsterben einsetzte. Zugleich wurden die Strände von übel riechendem Schlick verunreinigt. Mit dem Bau neuer Kläranlagen in den 90er-Jahren begann sich die Situation zu bessern.

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Tipps zum Fotografieren:
 

Licht

Licht ist für den Fotografen das primäre Gestaltungsmittel. Ideale Bedingungen hat man am frühen Morgen, wenn das Licht weich ist und Mitteltöne gut herausgearbeitet werden können. Die grelle Mittagssonne wirft harte Schatten und ist daher problematisch. Demgegenüber eröffnet das modulierende Abendlicht interessante Perspektiven. Dann nämlich erscheinen die Farben satt, während die Schatten lang und weich fallen.

Schnappschüsse

Spontaneität ist zwar beim Fotografieren gut, Planung ist jedoch besser – insbesondere wenn die Kamera etwas langsam ist. Damit Sie den entscheidenden Moment nicht verpassen, sollten Sie Ihre Kamera vorher weitgehend manuell eingestellt haben. Anhand eines fiktiven Punktes lässt sich die Entfernung abschätzen und die Belichtungswerte vorab ermitteln.
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Geografie

Im Norden trennen die Alpen Italien von Frankreich, der Schweiz, Österreich und Slowenien. Südwärts, jenseits der weiten, fruchtbaren Nordebene, erstrecken sich die Apenninen von den Alpen im Nordwesten bis zur "Stiefelspitze" nach Kalabrien und bilden das Rückgrat der Halbinsel. einen ganz eigenen Charakter weisen die Inseln Sizilien im Süden und Sardinien im Westen auf. Die westlichen und zentralen Alpen erreichen mit dem Mont Blanc an der französischen Grenze und dem Mont Rosa (4634 m) an der Schweizer Grenze ihre höchsten Erhebungen. die schönen norditalienischen Alpenrandseen wie der Lago Magiore, der Comer See, Iseo- und Gardasee entstanden, als das Wasser der geschmolzenen Gletscher die Täler des Alpenvorlandes füllte. Nordöstlich des Gardasees erheben sich die zerklüfteten Kalksteingipfel der Dolomiten als Teil der Ostalpen bei Marmoladassbis zu einer Höhe von 3342 m. Die Böden der norditalienischen Ebene (Schwemmland) sind sehr fruchtbar. Dieser Landstrich ist mehr als 320 km lang und bis zu 200 km breit. Über die Hälfte des Gebietes durchzieht der Po. Der ausgedehnte Gebirgsrücken der Appeninen schließt an die westlich vorgelagerten Ligurischen Alpen an und reicht bis zur Nordwestküste der italienischen Riviera, schwenkt in einem Bogen über die Halbinsel und erreicht seinen höchsten Punkt im zerklüfteten Kalkmassiv des Gran Sasso d'Italia nordöstlich von Rom. Auf der Westseite durchfließen der Arno und der Tiber die anschließende Beckenlandschaft.

Im Osten formen zahlreiche Flüsse eine Landschaft parallel verlaufender Bergrücken und Täler, die auf eine schmale Küstenebene hin zulaufen. Südöstlich richtet sich die Kalktafel Apuliens mit dem Kalksporn des Monte Gargano auf. Tief im Süden trennt der Golf von Taranto den "Absatz" von der "Zehenspitze" des italienischen "Stiefels". Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße von Messina liegt Sizilien, die größte Insel des Mittelmeers. Die Landschaft ist gebirgig und die höchsten Erhebungen liegen im Norden. Die Ostseite beherrscht der aktive Vulkan Ätna. Das Gebiet ist aufgrund der Lage Italiens zwischen der eurasischen und afrikanischen tektonischen Platte erdbebengefährdet. Weitere Vulkane der Region sind der Stromboli und der Vulcano auf den Liparischen Inseln nördlich von Sizilien sowie der Vesuv bei Neapel, dessen Ausbruch im Jahr 79 vor Christi die Stadt Pompejy völlig zerstörte. In den Phlegräischen Feldern treten vulkanische Gase aus. Vulkanisch aktiv sind auch die Hochländer zwischen Monte Amiata und den Albanbergen in der Nähe von Rom: bei Viterbo gibt es Schlammquellen, und die Kraterseen Bolsena und Nemi sind ebenfalls vulkanischen Ursprungs. Thermalquellen finden sich im Norden und in den Euganesischen Hügeln unweit von Padua. Im gesamten Gebiet treten gelegentlich schwere Erdbeben auf. Im Norden und Osten der Insel Sardinien ragen raue und ältere Gebirge auf, mehr als es sie auf dem Festland gibt; im Westen der Insel brachten frühere Vulkanausbrüche Basalttafeln hervor.

Regionen Abruzzen | Aostatal | Apulien | Basilikata | Emilia-Romagna | Friaul-Julisch Venetien | Kalabrien | Kampanien | Latium | Ligurien | Lombardei | Marken | Molise | Piemont | Sardinien | Sizilien | Toskana | Trentino-Südtirol | Umbrien | Venetien
Geschichte

Die Teilung des Römischen Reiches 395 und die Eroberung Roms durch die Westgoten 410 leiteten den Niedergang des Römischen Weltreiches ein. Die Westgoten zogen zwar ebenso wie die Vandalen, die 455 Rom brandschatzten, bald wieder ab. Doch mit dem Sturz des letzten weströmischen Kaisers Romulus Austulus 476 durch germanische Söldner war der Untergang besiegelt und die Einheit der vormaligen Zentralprovinz Italiens dauerhaft zerstört. 1400 Jahre, bis ins 19. Jahrhundert, war Italien mit nur kurzen Unterbrechungen Spielball und Aufmarschgebiet fremder Mächte. Während zu Zeiten des Kaisers Augustus noch weit mehr als eine Million Menschen in Rom gelebt hatten, waren es im 8. Jahrhundert nicht einmal mehr 30.000 . Seit dem 6. Jahrhundert kämpften Langobardenkönige, byzantinische Exarchen und römische Päpste erbittert um die Macht. Die Päpste baten die Franken um Unterstützung gegen die Langobarden. So kam es dazu, dass Karl der Große 800 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Von 962 bis 1250 verknüpften sich die deutsche und die italienische Geschichte.

Die deutschen Kaiser regierten im "Heiligen Römischen Reich" Nord- und Mittelitalien. Im Investiturstreit prallten seit 1075 die Machtansprüche der Kaiser und Päpste aufeinander, König Heinrich IV. musste 1077 im Büßerhemd nach Canossa ziehen. Jahrhundertelang spaltete sich die Bevölkerung in nahezu jeder Stadt des nördlichen und mittleren Italien in die päpstliche Partei der Guelfen und die kaiserliche der Ghibellinen. Die oberitalienischen Städte waren die Wiege des Kapitalismus. Dort kam es seit dem 11. Jahrhundert zum Aufstieg eines neuen Unternehmertums. In Venedig, Mailand, Genua, Pisa und Florenz wurden die modernen Formen von Börse, Buchhaltung und Geldverkehr erfunden, aber auch die ersten Universitäten in Parma und Bolognia gegründet. In kultureller Hinsicht war das 15. Jahrhundert der Höhepunkt. Italien war das Zentrum des Humanismus und der Renaissance und bestimmend für die europäische Kunst und Wissenschaft. Die Blüte war nur kurz: mit der Entdeckung Amerikas verlagerten sich die Handelsströme, Banken und Manufakturen brachen zusammen. Venedig verlor seine Besitzungen im östlichen Mittelmeer an die Osmanen.

1559 erlangte Spanien in Italien die Vorherrschaft, 1713/14 fielen als Folge des Spanischen Erbfolgekrieges Mailand, Neapel und Sardinien an Österreich. Korsika wurde 1768 von Genua an Frankreich verkauft. Napoleon drängte 1796 die Österreicher zurück und krönte sich 1805 in Mailand zum König von Italien. Mit Ausnahme von Sardinien und Sizilien kam ganz Italien für kurze Zeit unter napoleonische Herrschaft. Der Wiener Kongress stellte 1815 die alte Ordnung mit dem Kirchenstaat und Österreich im Norden als vorherrschende Mächte wieder her. Italien blieb ein geographischer Begriff. Die folgenden Jahrzehnte sind das heroische Zeitalter des Risorgimento (Wiedererstehung), des legendenumwobenen Kampfes für die Einheit und Freiheit Italiens. Geheimbünde und Verschwörer zettelten einen erfolglosen Aufstand nach den anderen an, die alle blutig niedergeschlagen wurden. 1848/49 wurden die Österreicher vorübergehend aus Mailand und Venedig vertrieben. In Rom riefen Garibaldi und Mazzini die Republik aus, mussten jedoch vor einem französischen Hilfskorps des Papstes kapitulieren. Ein letztes Mal wurde Österreich Vormacht, dessen wichtigster Widersacher nun das Königreich Piemont-Sardinien unter Viktor Emanuel II. und Ministerpräsident Cavour wurde. Diesem gelang es, die meisten Liberale und Republikaner hinter sich zu vereinigen und die Unterstützung des französischen Kaiser Napoleon II. zu gewinnen.

1859 und 1861 wurden die Österreicher entscheidend geschlagen, 1861 nahm Viktor Emanuel II. den Titel König von Italien an. Das hohe Zensuswahlrecht (nur 1,9 % der Bevölkerung war wahlberechtigt) beschränkte die politische Repräsentation auf eine schmale liberal-konservative, häufig adlige Oberschicht. 1870 wurde auch der Rest des Kirchenstaates Italien einverleibt. Die Haltung des Papstes gegenüber dem neuen Staat blieb unversöhnlich, er erklärte sich als "Gefangener im Vatikan" und verbot den Katholiken Italiens die Teilnahme an Parlamentswahlen. In den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts begann die italienische Kolonialpolitik mit der Besetzung von Eritrea und Somaliland; die Eroberung Äthiopiens hingegen scheiterte. 1911 wurde Libyen annektiert. Nach der Ermordung von König Umberto I. 1900 leitete der Liberale Giolitti zunächst als Innenminister, von 1903 an als Ministerpräsident mit einer umfassenden Arbeits- und Sozialgesetzgebung eine von hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten begleitete Reformpolitik ein. Roms Politik nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges war lange Zeit in Deutschland Anlass zu Hohn und Spott über die italienische "Schaukelpolitik".

Noch 1882 hatte sich Italien mit dem alten Gegner Österreich-Ungarn ausgesöhnt und dem deutsch-österreichischen Zweibund angeschlossen. 1914 erklärte Italien zunächst seine Neutralität und trat erst auf der Seite der Entente in den Krieg ein, nachdem ihm England und Frankreich in einem Geheimvertrag territoriale Ansprüche zugesichert hatten. Italien erklärte im Mai 1915 Österreich-Ungarn und im August 1916 auch Deutschland den Krieg. In 12 verlustreichen Schlachten versuchten die Italiener vergebens, die österreichischen Alpenfront zu stürmen. In den Friedensverträgen fielen zwar Südtirol, das Trentio, Jilisch-Venetien, Triest und Istrien an Italien, nicht aber, wie erhofft, Dalmatien. Die Enttäuschung über den "verlorenen Sieg" verschärfte die inneren Gegensätze, rief zahlreiche radikale Aktionsgruppen auf den Plan und brachte Italien an den Rand des Bürgerkrieges. Wirtschaftskrise, Streiks und Revolutionsangst schufen ein Klima, das den Aufstieg des italienischen Faschismus begünstigte. Mit dem "Marsch auf Rom" im Oktober 1922 und der anschließenden Berufung Benito Mussolinis zum Ministerpräsidenten einer Koalitionsregierung kamen die Faschisten an die Macht. Schritt für Schritt schaltete Mussolini alle oppositionellen Kräfte aus. Das Regime bekam nicht nur autoritäre, sondern mehr und mehr totalitäre Züge.

1938 wurde eine antisemitische Rassengesetzgebung erlassen. Seinem ideologischen Ursprung nach war der Faschismus kaum gemäßigter als der Nationalsozialismus. Aber er entfaltete sich in einer Gesellschaft, die Mussolini und seine Gefolgschaft daran hinderte, ihren Herrschaftswillen in der katastrophalen Konsequenz durchzusetzen, weil es Hitler und seiner Partei möglich war. Durch die prestigeträchtigen Lateranverträge von 1929 gelang den Faschisten der wichtige Ausgleich mit der katholischen Kirche. 1935 wurde Äthiopien überfallen. Im spanischen Bürgerkrieg unterstützte Italien von 1936 an Franco. Nachdem bereits 1936 eine Achse Berlin-Rom verkündet worden war, schloss Italien nach der Besetzung Albaniens im April 1939 mit dem "Stahlpakt" vom Mai 1939 ein Militärbündnis mit Deutschland. Militärisch ungenügend vorbereitet, versuchte Italien zunächst, den Kriegseintritt zu verhindern. Erst im Juni 1940 erklärte Mussolini dem bereits besiegten Frankreich den Krieg. Gebietsbesetzungen auf dem Balkan (Teile Sloweniens und Kroatiens) folgten Niederlagen in Griechenland und Nordafrika. Nach Streiks in Oberitalien im März 1943, der Landung der Alliierten in Sizilien und dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 schloss der neue Ministerpräsident Badoglio im September 1943 mit den Alliierten einen Waffenstillstand. Im deutschen Besetzungsgebiet entstand die faschistische "Republica Sociale Italiana" von Hitlers Gnaden, gegen die sich der antifaschistische Widerstand formierte. Bis zur Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Italien im April 1945 befand sich Italien im Krieg und Bürgerkrieg.

Obwohl Italien zu den alliierten Streitmächte gerechnet wurde, musste es im Pariser Friedensvertrag bis auf Südtirol und Triest alle seit 1919 erworbenen und eroberten Gebiet wieder aufgeben. In einem Referendum wurde 1946 die Monarchie abgeschafft, die Königsfamilie musste das Land verlassen. Das politische Selbstverständnis der Nachkriegsrepublik stützte sich auf Antifaschismus und dem Widerstands-Mythos und damit nur auf die halbe politische Wahrheit. Einheit und Stabilität schienen aber zunächst gefunden. Das Wirtschaftswachstum erreichte in den 50er-Jahren europäische Spitzenwerte. Hinter dem Wirtschaftswunder standen dramatische Strukturverschiebungen: noch zu Beginn der 50er-Jahre arbeiteten mehr als 40 % der Beschäftigten in der Landwirtschaft; insgesamt etwa 5 Millionen Süditaliener übersiedelten seit 1945 in den Norden oder ins Ausland. Zahlreiche Banken und Industrieunternehmen wurden verstaatlicht. NATO-Mitgliedschaft 1949 und die Römischen Verträge von 1957 banden Italien dauerhaft an den Westen. Unter den neu gegründeten Parteien dominierte die Democrazia Christiana (DC) Alcide de Gasperis die Politik. Bis 1994 war die DC an allen Regierungen beteiligt. Erste wirtschaftliche Schwierigkeiten in den 70er-Jahren, ständige Regierungswechsel durch innerparteilichen Streitereien der DC und der Terrorismus (Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Aldo Moros durch die Roten Brigaden 1978, Bombenattentat faschistischer Extremisten im Bahnhof von Bologna im August 1980 mit 85 Toten) offenbarten jedoch die Labilität des italienischen Systems.

Staat und Wirtschaft waren die Beute korrupter Parteipolitiker, deren Herrschaft der "partitocrazia" auf dem tief in der italienischen Geschichte verwurzelten Klientelismus beruhte. Das Geld für seine Wohltaten pumpte sich der Staat bei seinen Bürgern: Die Staatsverschuldung stieg derart an, dass allein 20 % des Staatshaushalten für den Zinsendienst benötigt werden. Der Zusammenbruch des Ostblocks bedeutet auch für die italienische Politik eine Zeitenwende. Binnen weniger Jahre führten spektakuläre Enthüllungen und Prozesse zu einer tief greifenden Änderung des politischen Systems. Die PCI, die größte kommunistische Partei Westeuropas, löste sich im Februar 1991 auf und wurde als Demokratische Partei der Linken (PDS) wiedergegründet, unter Abspaltung der altkommunistischen Rifondazione Comunista (R). Im selben Jahr wurde in einer Volksabstimmung eine Wahlreforminitiative des christdemokratischen Reformpolitikers Segni mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Die 1989 gegründete separatistische Lega Nord des Lombarden Umberti Bossi fand in Norditalien erheblichen Zulauf und erreichte 1992 bei den Parlamentswahlen landesweit einen Stimmenanteil von 9 %. Mailänder Staatsanwälte deckten in der Aktion "Saubere Hände" seit 1992 das weit verzweigte System der institutionalisierten Korruption und enge Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und organisierter Kriminalität auf. Insgesamt wurde gegen mehr als 6000 Personen Anklage erhoben. Bettino Craxi, Parteichef der Sozialisten und vormaliger Ministerpräsident, erhielt illegal für seine Partei über 200 Millionen Mark vom Medienzar Silvio Berlusconi. Der Christdemokrat Giulio Andreotti, 19-mal Minister und 7-mal Ministerpräsident (und heute Senator auf Lebenszeit), wurde wegen des Verdachts der Zusammenarbeit mit der Mafia angeklagt. Die DC löste sich 1993 auf, die Nachfolgeorganisationen wurden durch Spaltungen weiter geschwächt.

Bei den Wahlen im März 1994 galt erstmals das neue Wahlrecht. Es siegte eine Mitte-Rechts-Koalition aus der erst im Januar 1994 gegründeten liberal-populistischen Forza Italia Berlusconis, der Lega Nord und der aus der neofaschistischen MSI hervorgegangenen rechts-konservativen Nationalen Allianz. Berlusconi stand jedoch im Zwielicht von Korruptionsaffären und musste bereits nach 7 Monaten zurücktreten. Die Wahlen im April 1996 führten zu einem erneuten Wechsel der Parlamentsmehrheit: das unter anderem von der PDS getragene Mitte-Links-Bündnis "Ulivo" (Ölbaum) ging als Sieger hervor. Die neue Regierung des italienischen Ministerpräsidenten Massimo D‘Alema (50) von der Demokratischen Linken erhielt am 23.12.1999 im Senat, einer der beiden Parlamentskammern, mit 177 von 322 Stimmen das Vertrauen. Nur vier Tage nach seinem Rücktritt präsentierte Linksdemokrat D’Alema das neue Mitte-Links-Kabinett der 57. Nachkriegsregierung Italiens. Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi (79) vereidigte die Minister umgehend. Die meisten Schlüsselressorts des 25-köpfigen Kabinetts bleiben unverändert. Lediglich vier neue Minister kommen hinzu. Das Außenressort besetzt weiterhin Lamberto Dini, das Haushaltsressort Giuliano Amato, der einzige parteilose Minister. Neuer Verteidigungsminister ist der bisherige Vize-Regierungschef Sergio Mattarella, neuer Innenminister der frühere Bürgermeister der sizilianischen Stadt Catania, Enzo Bianco.

Von heftigem Zorn bis freudiger Zustimmung hat der Wahlsieg des italienischen Medienunternehmers Silvio Berlusconi am 14. Mai 2001 bei Politikern in Europa höchst unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während die Regierung in Österreich Berlusconi umgehend aus Wien gratulierte und der Rechtspopulist Jörg Haider von einem "positiven Sieg für Europa" sprach, kündigte Frankreichs Außenminister Hubert Védrine "Wachsamkeit" an. Das Mitte-Rechts-Bündnis "Casa delle Liberta - Haus der Freiheiten" hat unter der Regie von Silvio Berlusconi (64) die Parlamentswahl in Italien gewonnen. Mit seiner eigenen Partei "Forza Italia" erlangte der Oppositionsführer und Medienunternehmer 30 % der Stimmen. Das sind 10 Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren. Der Besitzer dreier privater Fernsehsender und eines Milliardenvermögens kann dies als großen persönlichen Erfolg verbuchen. Doch der volle Triumph blieb aus. Mehrere Parteien in seiner Mitte-Rechts-Koalition "Haus der Freiheiten" verloren Stimmen. Beobachter rechnen deswegen mit Spannungen in dem Bündnis. Dennoch wird Berlusconi aller Voraussicht nach im Juni als Chef der 59. italienische Nachkriegsregierung vereidigt werden. Die postfaschistische Alleanza Nazionale (AN) unter Gianfranco Fini (49) zählt auch zum "Haus". Sie erhielt etwa 11 % der Stimmen (minus 5 %). Die AN entwickelte sich aus dem neofaschistischen "Moviemento Sociale Italiano". Fini hatte die Bewegung in den 90er-Jahren übernommen, umbenannt und salonfähig gemacht. Seitdem versucht er, das Image des Neofaschismus loszuwerden. Selbst Hardliner innerhalb seiner Partei brachte er dazu, das Schwarzhemd im Schrank zu lassen. Auch den römischen Gruß mit hochgerecktem Arm verbat er sich. Allerdings bezeichnete Fini den ehemaligen Diktator Benito Mussolini noch 1994 als "größten Staatsmann des Jahrhunderts". Auch die Lega Nord von Umberto Bossi (59) ist im Bündnis von Berlusconi vertreten. Ähnlich wie die rechtpopulistische FPÖ Jörg Haiders pflegt die Lega Nord den ausländerfeindlichen Tonfall. In der Wahl erzielt sie voraussichtlich etwas mehr als 4 % der Stimmen (minus 6 %).

Schon vor fünf Jahren erlebte der einstige Automechaniker Bossi ein Fiasko, als er in Venedig seinen Fantasiestaat "Padania" ausrief. Bossi gilt als schwieriger Verhandlungspartner: "Ich bin ein Barbar. Bei mir muss man Pulver riechen und Säbelrasseln hören", sagte er einmal über sich. Als Koalitionspartner ist Bossi nicht zuverlässig. Bereits 1994 ließ er eine Koalition mit Berlusconi platzen. Italiens Ministerpräsident hat seit Beginn seiner politischen Karriere ein gespanntes Verhältnis zur Justiz. Seit der Medienunternehmer im Frühjahr zum zweiten Mal an die Macht kam, nutzt er sie entschlossen gegen seine Richter. Berlusconi scheint es eilig zu haben. Anstatt zunächst die Wahlversprechen einzulösen - von der Erhöhung der Mindestrenten bis zur Senkung der Steuern -, machte er sich im Windschatten der Weltgeschichte daran, die italienische Rechtsordnung im Sinne seiner Anwälte zu modifizieren. Internationale Rechtshilfe-Ersuchen wurden durch die Einführung zusätzlicher Formalkriterien erschwert, Bilanzfälschung entkriminalisiert. Beide Gesetzesänderungen nutzen vor allem dem Angeklagten Berlusconi und erregen entsprechende Empörung.

Eines der brisantesten Themen der italienischen Innenpolitik steht ab dem 22.01.2002 im Verfassungsausschuss des Parlaments in Rom zur Debatte. Regierungschef Silvio Berlusconi schickt sich mit einiger Verzögerung an, eines seiner Wahlversprechen einzulösen. Es gilt, den Interessenkonflikt Berlusconis als Medienunternehmer und Ministerpräsident aus der Welt zu schaffen oder doch zu entschärfen. Wie das geschehen soll, darüber gehen die Ansichten jedoch noch immer weit auseinander. Italiens Ex-Monarchen geht langsam die Geduld aus. Seit dem Sieg der Republik über die Monarchie in der Volksabstimmung von 1946 leben die Nachkommen des Königshauses aus Savoyen in Portugal und in der Schweiz. Alle Versuche, endlich das Einreiserecht zu erhalten, sind bisher gescheitert. Am 22. Januar hätte der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg über eine Klage der Exilierten beraten sollen. Auf Bitte der Regierung in Rom wurde die Verhandlung nun verschoben.

Staats- und Regierungsform
Mehrparteiensystem; Republik; zwei gesetzgebende Organe

Gesundheit

 

Gesundheitsprophylaxe Italien

Fortsetzung ¬

 


 


Alle Angaben und Informationen ohne Gewähr! Ein ganz besonderer Dank geht an die Schüler und Lehrer der Oberschule an der Marzahner Promenade in Berlin, die uns freundlicherweise Informationen aus ihrem privaten Projekt »Erdkunde-Online« insbesondere zu den Themen Umgangsformen, Familienstruktur, Flora & Faune, Geografie und Geschichte überlassen haben.

Hinweis: Während der Aktualisierungsphase, die eine gewisse Zeit dauern wird, können die gewünschten Infos ab 20. Januar 2006 per E-Mail angefordert werden.

Update 29.08.2008 11:49



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